Nachrichten aus Westfalen-Mitte-Süd


173 neue Wohnungen in Hamm genehmigt

Halbjahresbilanz: IG BAU fordert mehr Peronal für Bauämter

Wieder stärker gefragt – Steine sind der Rohstoff der Baukonjunktur. Doch eine entscheidende Bremse beim Neubau ist der Personalmangel in den Behörden, so die IG BAU.
© Foto: IG BAU
Hamm, 10.09.2018
Grünes Licht für den Bau: Zwischen Januar und Juni wurde in Hamm der Neubau von 173 Wohnungen genehmigt. Das sind 41,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitteilt. Die
Gewerkschaft beruft sich dabei auf neueste Zahlen des Statistischen Bundesamts. Investitionen von insgesamt 27,2 Millionen Euro planen demnach die Bauherren in Hamm, um aus den erteilten Genehmigungen neue Wohnungen zu machen. Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd sieht jedoch Luft nach oben. „Viele Sozialwohnungen sind aus der Preisbindung gefallen – und jetzt mit deutlich höherer Miete auf dem Markt. Gegen den Schwund bei Sozialmietwohnungen und gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnungen hilft nur eins: bauen, bauen, bauen“, sagt Bezirksvorsitzender Friedhelm Kreft. Erschwert werde das Bauen und Planen allerdings durch fehlendes Personal in den Bauämtern. Nach IG BAU-Angaben sank die Zahl der Beschäftigten in den kommunalen Baubehörden in Nordrhein-Westfalen zwischen 1995 und 2010 um 43 Prozent – zwischen 2011 und 2016 dann noch einmal um weitere 5 Prozent. Das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden. Danach kamen auf 1.000 Einwohner in Nordrhein-Westfalen zuletzt lediglich rund 0,8 Vollzeit-Beschäftigte in den Bauverwaltungen.
„Der jahrelange Personalabbau in den Ämtern rächt sich in Zeiten einer anziehenden Baukonjunktur besonders“, sagt Kreft. Engpässe bei der Planung und Genehmigung führten dazu, dass wichtige Bauprojekte verschleppt würden. Das betreffe auch die kommunale Infrastruktur – wie den Bau von Schulen, Straßen und Krankenhäusern. Laut DIW geben Städte und Gemeinden im Schnitt 85 Prozent ihrer Investitionen für Bauten aus. „Mangelnde Planungskapazitäten haben daher enorme Auswirkungen auf das Bauen vor Ort“, so Kreft. Deshalb sei ein Großteil der Kämmerer auch weiterhin skeptisch, was den Abbau des Investitionsrückstands angehe. Nach einer Umfrage des aktuellen KfW-Kommunalpanels rechnen nur 32 Prozent der Kämmerer damit, den Rückstand bei der Verkehrsinfrastruktur in den nächsten fünf Jahren abzubauen – trotz einer guten finanziellen Entwicklung in den meisten Kommunen. 68 Prozent erwarten, dass der Investitionsstau gleich bleibt oder anwächst. 

Arm trotz Vollzeitjobs

IG BAU kritisiert ausufernden Niedriglohnsektor

Arbeiten im Alter: Viele Rentner sind auf einen Minijob angewiesen, um über die Runden zukommen. Die IG BAU macht sich für mehr Tarifbindung stark – als Schutz vor Altersarmut.
© Foto: IG BAU
Hamm, 10.09.2018
Gefangen im Niedriglohn: 8.800 Vollzeit-Beschäftigte in Hamm verdienen weniger als 2.200 Euro brutto im Monat. Das sind 24 Prozent aller Menschen, die hier sozialversicherungspflichtig die volle Stundenzahl arbeiten. Darauf hat die IG Bauen-
Agrar-Umwelt hingewiesen. Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd beruft sich dabei auf eine aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Gewerkschafter Friedhelm Kreft warnt: „Wer heute in Vollzeit weniger als 2.200 Euro verdient, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter auf staatliche Stütze angewiesen.“ Das ergebe sich aus Berechnungen der Bundesregierung. Danach muss ein Vollzeit-Arbeitnehmer im Schnitt mindestens 12,63 Euro pro Stunde verdienen, um nach 45 Beitragsjahren bei der Rente oberhalb der staatlichen Grundsicherung zu landen. „Einige werden zwar das Glück haben, dass der Ehepartner besser verdient und so die Renten-Haushaltskasse später aufbessert. Doch für viele ist die Rente selbst dann extrem knapp“, sagt Kreft. Für den IG BAU-Bezirksvorsitzenden ist das ein unhaltbarer Zustand: „Altersarmut trotz Vollzeit – das kann nicht sein. Wer jeden Tag acht Stunden malocht, der muss von seiner Arbeit auch leben können.“ Kreft spricht von einem Ausufern des Niedriglohnsektors, dem die Politik zu lange zugeschaut habe: „Bei vielen Beschäftigten ist die Angst groß, in Hartz IV abzurutschen. Deshalb akzeptieren sie auch Niedriglöhne. Etliche Unternehmen nutzen das schamlos aus. Sie zahlen kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.“ Dabei hätten die meisten Betriebe durchaus Spielräume, mehr zu bezahlen. „Wer sich als Dumping-Unternehmer nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn am Markt behauptet, der sollte sein Geschäftsmodell ohnehin überdenken“, so Kreft.
Eine wichtige Absicherung gegen Armutsrenten sind Tarifverträge, sagt die IG BAU. So lag der durchschnittliche Tariflohn nach der letzten bundesweiten Berechnung bei 17,90 Euro pro Stunde – und damit deutlich über dem Armutsrisiko. Ein gelernter Bauarbeiter verdient nach Tarif sogar 20,63 Euro in der Stunde. Kreft: „Wer jedoch für die gleiche Arbeit nur den speziellen Bau-Mindestlohn bekommt, der hat Monat für Monat 980 Euro weniger auf dem Lohnzettel. Ihm gehen damit wichtige Rentenpunkte verloren.“ Anspruch auf eine tarifliche Bezahlung haben Beschäftigte, die Gewerkschaftsmitglied sind und deren Betrieb einem Arbeitgeberverband angehört. In Zeiten eines massiven Fachkräftemangels im Handwerk sollten Arbeitnehmer auf dem Tariflohn bestehen, rät die IG BAU. „Von der Gebäudereinigung über das Dachdeckerhandwerk bis hin zur Landwirtschaft – für Beschäftigte geht es hier um viel Geld“, so Kreft. Zudem seien in Tarifverträgen oft auch Betriebsrenten vereinbart – eine zusätzliche Absicherung gegen Altersarmut. Kreft verweist auf das Modell vom Bau. Dort werden Beiträge von der Sozialkasse der Bauwirtschaft (Soka-Bau) eingezogen und später als monatliche Tarifrente ausgezahlt. Je nach Höhe und Dauer der Beiträge kann die monatliche Extra-Rente mehr als 200 Euro ausmachen. 
Hamm, 20.08.2018
Rollende Ein-Mann-Betriebe: Immer häufiger sind in Hamm Solo-Selbstständige unterwegs. Doch viele von ihnen arbeiten nach Einschätzung der IG BAU unter schlechten Bedingungen – ohne soziale Absicherung und mit einem Einkommen, das teils unter dem Mindestlohn liegt. „Gerade im Handwerk hat die Zahl der Ein-Mann-Firmen stark zugenommen – oft mit großen Abstrichen bei der Qualität“, sagt Friedhelm Kreft. Der IG BAU-Bezirksvorsitzende kritisiert dabei Online-Portale wie MyHammer oder Helpling, die ein solches Geschäftsmodell unterstützten. „Zwar scheint ein Fachmann dort nur ein paar Klicks entfernt. Doch ein Großteil dieser sogenannten ,Gig-Worker‘ arbeitet ohne Gesellenbrief und Renten- oder Sozialversicherung“, so Kreft.  weiterlesen
Hamm, 08.08.2018
Zum Start des neuen Ausbildungsjahres haben Baufirmen in Hamm noch 35 Ausbildungsplätze offen. Das meldet die Gewerkschaft IG Bau. In ganz Nordrhein-Westfalen zählt die Branche über 3.900 freie Lehrstellen.  weiterlesen

320 Maler und Lackierer in Hamm streichen mehr Geld ein

Mindestlohn für Gesellen steigt auf 13,30 Euro pro Stunde

Streichen mehr Geld ein: Maler und Lackierer bekommen einen Lohn-Aufschlag. Wer mit Gesellenbrief arbeitet, muss ab sofort mindestens 13,30 Euro pro Stunde bekommen, so die IG BAU.
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Hamm, 15.05.2018
Lohn-Plus fürs Streichen und Tapezieren: Für die rund 320 Maler und Lackierer in Hamm gelten ab sofort höhere Mindestlöhne. Wer einen Gesellenbrief in der Tasche hat, muss ab Mai mindestens 13,30 Euro pro Stunde verdienen – ein Plus von rund 35 Euro im Monat. Helfer ohne Ausbildung kommen auf einen Stundenlohn von wenigstens 10,60 Euro. Das teilt die Handwerksgewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt mit.
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Bauarbeiter aus Hamm nehmen Kurs auf Berlin – zum „Dampfablassen“

Scheitern der Tarifverhandlungen: Miese Stimmung auf dem Bau

Anpfiff für den Bau-Protest: Heimische Bauarbeiter wollen am Montag laut werden – und bei der Tarifschlichtung in Berlin kräftig Dampf ablassen. Nicht nur per Trillerpfeife ...
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Hamm, 03.05.2018
Bauarbeiter aus Hamm lassen Dampf ab in Berlin: Auf den heimischen Baustellen herrscht „dicke Luft“, so die Bau-Gewerkschaft. Die Stimmung unter den rund 1.630 Bauarbeitern in Hamm sei „denkbar mies“: „Vom Maurer bis zum Kranführer – alle sind stinksauer. Die Arbeitgeber haben die Tarifverhandlungen zum Scheitern geführt. Das bringt den Bau zum Brodeln“, sagt der IG BAU-Bezirksvorsitzende Friedhelm Kreft.  weiterlesen

Workers‘ Memorial Day: IG BAU ruft in Hamm zu Gedenkminute auf

Gedenktag am 28. April | 24.800 Bau-Unfälle in Nordrhein-Westfalen

Gedenken an die Opfer von Arbeitsunfällen: Die Gewerkschaft IG BAU ruft am Workers‘ Memorial Day zu einer Schweigeminute auf.
© Foto: IG BAU
Hamm, 24.04.2018
"Jeder Unfall ist einer zu viel“ – unter diesem Motto ruft die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Hamm zu einer Gedenkminute für die Opfer von Arbeitsunfällen auf. Bereits am kommenden Freitag – dem Vortag des internationalen Workers‘ Memorial Days – soll um 12 Uhr der Menschen gedacht werden, die im Job tödlich verunglückt oder berufsunfähig geworden sind, so die IG BAU Westfalen Mitte-Süd.  weiterlesen

Auf dem Bau brodelt es

Auf Westfalens Baustellen fangen die Kollegen vor Wut an zu kochen !

© Foto: IG BAU
24.04.2018
Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe werden für gescheitert erklärt. Nach nun fünf Verhandlungstagen sind die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt und die Arbeitgeberverbände ergebnislos auseinander gegangen. Auch auf den heimischen Baustellen machte das drohende Scheitern der Verhandlungen schnell seine Runde. „Die Kolleginnen und Kollegen vom Bau sind zutiefst vom Verhalten der Arbeitgeber enttäuscht. Wir haben gemeinsam mit unseren Mitgliedern realistische Forderungen aufgestellt. Auf dem Bau wird gute Arbeit geleistet. Nun wollen die Beschäftigten auch etwas abbekommen“, so IG BAU Regionalleiter Bodo Matthey. In den letzten Tagen konnte sich die Gewerkschaft mit über 200 Aktiven der Region Westfalen in Konferenzen beraten. Neben Aktionen rund um die Schlichtung wird auch die angespannte Stimmung immer deutlicher. „Auf dem Bau boomt es. Die Unternehmen können sich vor Aufträgen nicht mehr retten. Nun wollen die Beschäftigten auch einen ordentlichen Schluck aus der Pulle haben. Aber die Arbeitgeber blocken einen fairen Tarifabschluss. Wertschätzung für die geleistete Arbeit sieht für mich anders aus“, so Gewerkschafter Matthey weiter. Die IG BAU fordert sechs Prozent mehr Lohn, einen Angleichungsschritt der Ost- an die Westlöhne und die Bezahlung der Wegezeiten zu den Baustellen. Zudem soll es einen Schritt zum vollen 13. Monatseinkommen geben sowie sämtliche Kosten der Ausbildung übernommen werden sollen. Das Angebot der Arbeitgeber blieb weit dahinter zurück und spiegelt nicht die gute wirtschaftliche Situation und der real existierende Fachkräftemangel der Branche.

Auch Sven Bönnemann, stellvertretender Regionalleiter der IG BAU Westfalen ist schockiert vom Verhalten der Unternehmer.“ Wenn die Arbeitgeber gutes Personal wollen, müssen sie dafür schon eine Gegenleistung bringen. Es wird ständig argumentiert, dass etliche neue Jobs auf dem Bau geschaffen wurden. Ich frage mich, ob die Gegenseite uns für dumm verkaufen möchte? Ohne die vielen neuen Kolleginnen und Kollegen könnten die Aufträge gar nicht mehr geschafft werden. Die Branche boomt und die Gewinne sprudeln. Es scheint, als wollen die Arbeitgeber den Erfolg der Baubranche nicht mit ihren Beschäftigten teilen“, so Bönnemann. Vor allem fehlende Wertschätzung und Respekt vermissen die heimischen Gewerkschafter. Aus diesem Grunde wird es nun in der gesamten Region Aktiventreffen geben. Dort werden die Gewerkschaftsmitglieder planen, wie sie ihren Forderungen mehr Nachdruck verleihen können. Sollte es Anfang Mai keine Schlichtung geben, ist der Weg für einen Arbeitskampf frei. Nicht auszumalen, wie vor allem die Baustellen auf den Autobahnen aussehen, wenn die Beschäftigten ihre Arbeit niederlegen müssen. „Unsere Mitglieder sind bereit für Streit. Den haben die Arbeitgeber mit ihrer Blockadehaltung provoziert. Wenn jetzt keine Bewegung in die Tarifauseinandersetzung kommt, dann müssen wir den nächsten Schritt gehen,“ so Bönnemann abschließend. 

Diese „Anti-Staub-Charta“ haben IG BauenAgrar-Umwelt (IG BAU), Arbeitgeberverbände der Baubranche, Bundesarbeitsministerium und Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft jetzt unterschrieben. Vom Maurer über den Trockenbauer bis hin zum Dachdecker profitieren nach Angaben der IG BAU allein in Hamm rund 1.630 Bauarbeiter von den neuen Schutz-Standards.
Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd spricht von einem „Meilenstein für die Branche“: „Mit den neuen Regeln könnte das Bild vom dreckigen und abends hustenden Bauarbeiter bald der Vergangenheit angehören“, sagt Bezirkschef Ewald Thiel. Für Tausende Beschäftigte in der Region dürfte das Risiko, an den Atemwegen oder an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich sinken. Denn staubarmes Arbeiten werde nun endlich zur Pflicht, an die sich auch alle
Baufirmen in der Stadt halten müssen, so Thiel.

Staub soll insbesondere im Bestandsbau verringert werden, heißt es in der Vereinbarung. Der Grenzwert für sogenannte „lungengängige Stäube“ darf die Marke von 1,25 Milligramm pro Kubikmeter nun nicht mehr überschreiten. Bislang lag die Grenze bei drei Milligramm. Reduziert werden soll damit auch die Gefährdung durch krebserzeugenden Quarzstaub, der in fast jedem Baustaub enthalten ist. „Um das umzusetzen“, so Thiel, „muss die Bauwirtschaft
beim Arbeitsschutz aber richtig aufrüsten – von neuen Maschinen bis hin zur Schulung der Beschäftigten.“ Die Alternative sei Ärger mit dem Amt: Denn die Behörden für Arbeitsschutz kontrollieren, ob die neuen Standards eingehalten werden.

Dabei können Firmen für die Anschaffung von Luftreinigern oder speziellen Bohrern mit Staubabsaugung bis zu 50 Prozent Zuschuss von der Berufsgenossenschaft bekommen, erklärt Thiel. Dies komme gerade kleineren Betrieben zugute, für die eine Umrüstung oft eine erhebliche Investition sei. Nach Angaben von IG BAU und Berufsgenossenschaft lässt sich ein Großteil der Baustellen schon mit rund 3.000 Euro staubarm machen. „Oft sind es auch
einfache Lösungen, die einen guten Effekt haben. So können Fliesenleger ihre Platten auf speziellen Tischen brechen – statt sie mit einem staubenden Schneider zu zerlegen.“

Zusammen mit der Berufsgenossenschaft startet die IG BAU im kommenden Jahr hierzu eine bundesweite Info-Kampagne. „Mit Schulungen sollen auch in Nordrhein-Westfalen möglichst viele Bauarbeiter erreicht werden“, betont der Gewerkschafter. Denn der Kampf gegen den Staub sei letztlich nur zu gewinnen, wenn Betriebe und Beschäftigte an einem Strang ziehen.
Weitere Infos rund um Schutzmaßnahmen für Unternehmen und Beschäftigte gibt es in einer
Broschüre des Bundesarbeitsministeriums, die im Netz abrufbar ist unter:
https://www.igbau.de/Binaries/Binary38070/schluss-mit-staub.pdf

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