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Ein-Mann-Firmen boomen in Hamm mit Dumpingpreisen

Solo in den Untergang


Hamm, 20.08.2018
Rollende Ein-Mann-Betriebe: Immer häufiger sind in Hamm Solo-Selbstständige unterwegs. Doch viele von ihnen arbeiten nach Einschätzung der IG BAU unter schlechten Bedingungen – ohne soziale Absicherung und mit einem Einkommen, das teils unter dem Mindestlohn liegt. „Gerade im Handwerk hat die Zahl der Ein-Mann-Firmen stark zugenommen – oft mit großen Abstrichen bei der Qualität“, sagt Friedhelm Kreft. Der IG BAU-Bezirksvorsitzende kritisiert dabei Online-Portale wie MyHammer oder Helpling, die ein solches Geschäftsmodell unterstützten. „Zwar scheint ein Fachmann dort nur ein paar Klicks entfernt. Doch ein Großteil dieser sogenannten ,Gig-Worker‘ arbeitet ohne Gesellenbrief und Renten- oder Sozialversicherung“, so Kreft.

Ursächlich für die Fehlentwicklung ist aus IG-Bau-Sicht der Wegfall der Meisterpflicht aus dem Jahr 2004. In 53 Gewerken wurde diese seinerzeit abgeschafft. Eines der meistgenannten Berufsfelder in diesem Zusammenhang ist die Branche der Fliesenleger, gefolgt von den Gebäudereinigern. Die Zahl der Fliesenlegerbetriebe hat sich seit dem Jahr 2006 in Hamm von 43 auf heute 95 mehr als verdoppelt. Gebäudereiniger gibt es heute 37 im Stadtgebiet, 2004 waren es zwölf. Diese Zahlen nannte die Handwerkskammer Dortmund auf Anfrage. Allerdings sagen die Zahlen nichts über die Größe der Betriebe aus.

Von einem „Warnsignal“ spricht Gewerkschafter Kreft: „Zum goldenen Boden des Handwerks gehört das klare Bekenntnis zu soliden Standards, zur Berufsausbildung und zum fairen Wettbewerb. All das ist mittlerweile in Gefahr.“ Ein großes Problem sei die Selbstausbeutung der Solo-Unternehmer. „Sie müssen ihre Arbeitszeiten nicht aufschreiben und arbeiten oft zu Mini-Löhnen. Das erhöht den Preisdruck für reguläre Firmen, die ihre Leute ordentlich bezahlen und Sozialabgaben abführen müssen“, sagt Kreft.
Die IG BAU fordert die Politik dazu auf, für eine bessere Absicherung zu sorgen. So könnten Ein-Mann-Unternehmer etwa in die Altersversorgung der Bauwirtschaft einbezogen werden. Denkbar sei auch eine verpflichtende Unfallversicherung. Kreft: „Am Ende brauchen wir aber wieder eine Meisterpflicht in allen Handwerksbereichen. Nur damit sind Qualität und Nachwuchs gesichert.“ Noch in dieser Legislaturperiode könne die große Koalition den Meisterbrief wieder in der Handwerksordnung vorschreiben.

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