Nachrichten-Archiv


Gelsenkirchener Reinigungsfirma Stölting zahlt „Kopfgeld“ für Gewerkschaftsaustritt

Einschüchterungen gegen Beschäftigte | IG BAU reicht Klage ein

Hamm, 04.03.2016
Für die IG BAU ist es ein Skandal, was sich in der Gelsenkirchener Gebäudereinigung abspielt: Nach Informationen der IG BAU Westfalen zahlt die Firma Stölting Care jedem Mitarbeiter ein „Kopfgeld“ von 50 Euro, wenn er aus der Gewerkschaft austritt. „Wir sind schockiert über diese Gutsherrenart und gehen jetzt vor Gericht gegen Stölting vor“, sagt Regionaleiter Bodo Matthey. Bereits am kommenden Mittwoch [f. d. Red.: 9. März] wird die einstweilige Verfügung am Arbeitsgericht Gelsenkirchen verhandelt.

„Was Stölting hier macht, ist ganz klar rechtswidrig und ein Verstoß gegen die Koalitionsfreiheit wie sie im Grundgesetz steht“, ist sich Matthey sicher. Diese sehe vor, dass in Deutschland dürfe jeder Arbeitnehmer einer Vereinigung beitreten darf, um seine Interessen zu vertreten – genauso wie übrigens jeder Arbeitgeber auch, sagt der Gewerkschafter. Die Firma Stölting habe keinerlei Recht, die Mitarbeiter per „Kopfgeld“ zum Austritt aus der Gewerkschaft aufzufordern oder ihnen sogar Vordrucke dafür bereitzustellen.

Zum Hintergrund: „Seit Januar gilt in der Gebäudereinigung ein neuer Mindestlohn, der ab März allgemeinverbindlich ist. Außerdem ist der Tariflohn in der Branche gestiegen. Als Reaktion darauf verschärft Stölting nun das ,Turbo-Putzen‘: Die Beschäftigten haben eine Stunde weniger Zeit, um die gleiche Fläche zu schaffen“, berichtet Bodo Matthey. Offenbar wolle die Firma die gestiegenen Lohnkosten durch kürzere Reinigungszeiten wieder hereinholen.

Als sich die Gewerkschaft dagegen zur Wehr setzte, erteilte ihr die Geschäftsführung ein Hausverbot. Bodo Matthey spricht von einem „abgebrühten Kalkül“: „Die Arbeitnehmer-Vertretung ist der Firma ein Dorn im Auge. Und die Beschäftigten sollen eingeschüchtert werden.“

Die Stölting Service Group beschäftigt rund 5.500 Mitarbeiter. Ein Großteil von ihnen arbeitet in Nordrhein-Westfalen. Bei der Unterlassungsklage gehe es jetzt nicht nur darum, dass die Firma ihre ,Kopf-Prämie‘ zurücknehme, so Matthey. „Sondern auch darum, dass sie so ein mieses Spiel an anderen Standorten gar nicht erst versucht.“
PRESSE-EINLADUNG
Liebe Redaktion,
„Kopf-Prämie“ für den Gewerkschaftsaustritt, Hausverbot für die Interessenvertretung, steigender Arbeitsdruck – die Gelsenkirchener Reinigungsfirma Stölting zieht alle Register. Dagegen hat die IG BAU mit einer einstweiligen Verfügung geklagt.
Der erste Verhandlungstermin ist am …
 kommenden Mittwoch, den 9. März 2016
 um 13.45 Uhr
 im Arbeitsgericht Gelsenkirchen, Sitzungssaal 307
Justizzentrum | Bochumer Str. 79 | 45886 Gelsenkirchen
Hinweis:
Für Rückfragen rund um den Rechtsstreit und Interview-Anfragen erreichen Sie Sven Bönnemann, stellvertretender Regionalleiter der IG BAU Westfalen, unter 0160 – 96 94 72 59 und Bodo Matthey, Regionalleiter der IG BAU Westfalen, unter 0172 – 524 25 97.

Kalender


<Juni  2019>
MoDiMiDoFrSaSo
12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930