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Drohende Altersarmut?

Baugewerkschaft fordert Unterstützung für Beschäftigte


Hochsauerland., 23.09.2012
Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt hat gefordert, die aktuelle Rentendiskussion auch auf die Beschäftigten auszudehnen, die wegen körperlicher Belastungen krank aus ihrem Job ausscheiden. Altersarmut drohe neben Geringverdienern und Minijobbern vor allem denjenigen, die frühzeitig ihre Beschäftigung aufgeben müssten, weil sie sich regelrecht „kaputt gearbeitet“ hätten. „Kaum ein Maurer, Dachdecker oder Gerüstbauer im Hochsauerlandkreis erreicht die reguläre Rentenaltersgrenze. Der körperliche Ver- schleiß im Job ist zu groß. Die meisten schaffen es nicht einmal bis 60 Jahre zu arbeiten. Und dann droht vor dem Erreichen der Altersrente der soziale Abstieg oder sogar Armut“, sagt Ewald Thiel, Bezirksvorsitzender der IG BAU Westfalen Mitte-Süd .



Die Anhebung des Rentenalters auf 67 verschlimmere die Situation noch einmal deutlich.

Für ihn steht fest, dass die Lücke zwischen unfreiwilligem Ausstieg aus dem Job und

der Altersrente überbrückt werden muss. Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat, dürfe nicht Ge fahr laufen, kurz vor der Rente in Hartz IV zu stürzen. „Hier

brauchen wir ein Auffangnetz. Wir müssen darauf reagieren, dass der Job auf dem Bau einer der körperlich härtesten ist“, so Thiel. Neues Altersübergangsgeld Als Brücke zum Rentenein- tritt plädiert der IG BAU-Bezirksvorsitzende für ein neues Altersübergangsgeld für die Baubranche. „Dafür brauchen wir eine Kombination aus tarifvertraglichen und gesetzlichen Regeln. Ein solches Modell ist nur dann umsetz- bar, wenn sich der Staat auch finanziell beteiligt. Er sollte unter anderem die Mittel einbringen, die dann bei den Hartz IV-Leistungen für arbeitslose Bauarbeiter eingespart werden“, so Ewald Thiel. Darüber hinaus sei es notwendig, den Zugang zur Erwerbsminderungsrente zu erleichtern und die Rentensätze hier zu erhöhen. Anja Huth von der Bundesagentur der Arbeit beurteilt die Lage weniger dramatisch: „Ich denke das ist schon etwas schwarz gemalt. Zum einen geht der Trend dahin, dass Ältere länger am Erwerbsleben teilnehmen. Zum anderen ist man mit dem Ausscheiden auch nicht automatisch von Altersarmut bedroht, wenn man durchgehend in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Wir sehen außerdem keine besondere Häufung von Antragstellern aus dem Baugewerbe“. Auch in der Branche ist man geteilter Meinung: „Ich sehe das ganze nicht so kritisch. Natürlich ist die Ar- beit auf der Baustelle körperlich sehr anstrengend, sodass viele Beschäftigte nicht bis zum Regelalter für den Renteneintritt arbeiten können, sondern in den Vorruhestand gehen. Das ist zwar mit Abstrichen verbunden, aber man muss auch berücksichtigen, dass beispielsweise Maurer brutto deutlich mehr verdienen als andere Berufsgruppen wie Friseure und daher über die Jahre auch mehr einzahlen“, so beispielsweise Andreas Köster vom Bauzentrum Köster in Schmallenberg. Außerdem würde man bei der derzeitigen Konjunktur von Arbeitgeberseite nichts zu einem Altersübergangsgeld bei- steuern können. Ein Bauunternehmer aus Hallenberg dagegen betont, dass es schon jetzt kaum jemand bis 65 schaffe, geschweige denn bis 67. Daher sei es sinnvoll, die Leute zu unterstützen, die sich aufgrund ihres Berufes nicht an- ders entscheiden könnten, als früher auszuscheiden. „Renten-Runde- NRW“ einberufen Auch Paul Hoffman von Heimes Bauunternehmung und Baustoffgroßhandel sieht Handlungsbedarf: „Man kann mit 67 einfach nicht mehr auf einem Gerüst herumklettern. Mit nachlassender körperlicher Leistungsfähigkeit wird man ja auch nicht sicherer in seiner Arbeit. Meiner Meinung nach sollte die Heraufsetzung des Rentenalters generell branchenspezifisch betrachtet werden.“ Wie dringlich das Thema ist, zeigt eine eigens anberaumte„Renten-Runde NRW“, zu der die IG BAU im Hochsauerlandkreis Beschäftigte vom Bau bis zum Büro am gestrigen Samstag ins Spiegelzelt nach Dortmund geladen hatte. In der „Renten-Arena“ der Gewerkschaft stellten sich alle im NRW-Landtag vertretenen Parteien den drängenden Fragen rund um die Altersvorsorge. „Das ist die ideale Gelegenheit, der Politik ins ‚Rentengewissen’ zu reden“, so Ewald Thiel im Vorfeld der Veranstaltung.


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