IG BAU Westfalen-Mitte-Süd


Hämmern, bohren, fräsen – Bauberufe bergen viele Gefahren. Besonders dann, wenn unter Stress gearbeitet wird. Unternehmen dürften den Arbeitsschutz nicht auf die leichte Schulter nehmen, fordert die Bau-Gewerkschaft.
© Foto: IG BAU
23.11.2017

"Turbo-Bauen": Gewerkschaft warnt vor steigendem Unfallrisiko

Bauarbeiter aus Hamm haben alle Hände voll zu tun: Die Branche brummt. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Stadt 385 neue Wohnungen gebaut – 35 Prozent mehr als noch drei Jahre zuvor, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Nach Beobachtung der Gewerkschaft steigt mit der Zahl der Aufträge aber häufig auch die Unfallgefahr. „Gerade jetzt zum Winteranfang müssen viele Projekte fertig werden. Dieses ,Turbo-Bauen‘ führt zu enormem Stress für die Beschäftigten“, berichtet ewerkschafter Friedhelm Kreft. Allzu oft drohe der Arbeitsschutz dem Termindruck zum Opfer zu fallen.
Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd fordert die heimischen Bauunternehmen auf, die Arbeitssicherheit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wer in einer Höhe von fünf Metern oder mehr auf einer Leiter arbeitet, der riskiert eine Menge. Besser ist da ein Gerüst – auch wenn es den Chef mehr kostet“, macht Kreft deutlich. Die Unfallzahlen in der Branche seien nach wie vor zu hoch, sagt der IG BAU-Bezirksvorsitzende: Rund 21.800 meldepflichtige Arbeitsunfälle auf nordrhein-westfälischen Baustellen registrierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im letzten Jahr.
Ein weiteres Problem: Auf vielen Baustellen fehlt es nach IG BAU-Angaben an Fachkräften, die sich um den Arbeitsschutz kümmern – obwohl dies die Baustellenverordnung vorschreibt. Gerade bei Subunternehmern, die Bauarbeiter aus dem Ausland beschäftigen, suche man in der Regel vergebens nach qualifiziertem Personal.
Dass ein besserer Arbeitsschutz die Baukosten in die Höhe treibt, hält Friedhelm Kreft für ein „fadenscheiniges Argument“. Die deutsche Bauwirtschaft verzeichne seit Jahren steigende Umsätze – allein im ersten Halbjahr 2017 lag das Plus laut Bundes-Statistik bei über sechs Prozent. „Wer volle Auftragsbücher hat, bei dem muss die Gesundheit seiner Beschäftigten ganz oben auf der Liste stehen. Denn viele Unfälle lassen sich etwa durch Schutzbrille und Helm vermeiden. Aber auch durch die Fortbildung für Mitarbeiter. Arbeitsschutz kann man lernen. Ein sicherer Arbeitsplatz hat viel mit dem richtigen Knowhow zu tun“, so Kreft weiter.
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